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Stempeljochspitze (2.543m), Karwendel, 3.3.2021

Tagesabhängige Tourenbewertung

Anzeige. Heute mal ein bisschen mehr Text, weil es sein muss und weil das Abenteuer einen längeren Beitrag wert ist. 🤣

Strahlender Sonnenschein, ungetrübter Himmel, ein Traumwintertag – so wie am Dienstag war es angesagt. Saharastaub gab es und diffus war es. So schaute die Realität aus! Da hatten sich die Wetterfrösche wieder gewaltig geirrt. Nicht zum ersten Mal in diesem Winter. Und sowieso. Künftig machen wir uns das Wetter einfach selbst! Was eine Skitour betrifft, ändert das „nicht korrekte Wetter“ sehr, sehr viel. Vor allem, wenn man eigentlich auf Firn und andere Bedingungen hofft.

Wir waren definitiv nicht die einzigen, die dem Wetterfrosch vertraut hatten. Ich denke, gestern Mittwoch ging es jedem, der auf Tour in Tirol unterwegs war, gleich. Zumindest, bei denjenigen, die auf Firn gehofft hatten. Oder?

Auch unser ständiger Begleiter Lukas, (Lukas Ruetz) der im Jamtal unterwegs war, berichtete vom selben Schicksal. Ok, als Schicksal kann man so etwas eigentlich nicht wirklich bezeichnen. Es gibt weit Schlimmeres!

Na gut, machen wir das Beste daraus: Wir haben eine Runde im Karwendel geplant. Und zwar von der Hungerburg hinauf auf’s Hafelekar, dort hinauf auf die Hafelekarspitze, von dort nordseitig runter, dann hinauf auf die Mandelscharte, von dort rüber zum Stempeljoch – dort hinauf auf die Stempeljochspitze – wieder zurück auf die Arzler Scharte und dann zur Hungerburg.

Karwendeldurchquerung mit Start Hungerburg

Treffpunkt 8:15 Hungerburg, denn die erste Gondel wollten wir erwischen. Doch irgendwie war man sich bei der Norkettenbahn nicht sicher, ob man überhaupt aufs Kar hinauffährt. Den Grund wusste keiner so genau. Die Lawinengefahr konnte es definitiv nicht gewesen sein. Na ja – warten. Und endlich ging es los. Neun weitere Tourengeher hatten den gleichen Gedanken mit der Karwendelrunde. Der Start hat sich um eine halbe Stunde verzögert, aber Stress musste man ob des Wetters bei weitem keinen haben.  Also rauf auf’s Kar, rauf auf die Hafelekarspitze und von dort runter.

Hafelekarspitze

Wir fuhren rein, und jeder folgte uns. Die Rinne war zwar gut griffig aber auch abgerutscht. Steil ist sie allemal. Gelegentlich schauen ein paar Felsbrocken heraus, aber die kann man gut umfahren oder umrutschen. Ausrutschen ist allerdings verboten. Denn dann geht’s dahin. Im unteren Teil des Kares angelangt, wurde wieder aufgefellt und es ging Richtung Mandelscharte. Heuer liegt im Karwendel weit weniger Schnee als um diese Jahreszeit normal. Nichts desto trotz, für die Tour mehr als genug. Die ersten Spitzkehren hinauf zur Mandelscharte waren noch schön griffig, dann aber wurde die Spur bald rutschig und so mancher montierte kurzerhand die Harscheisen. Wir noch nicht!

Mandelscharte

Keine Sonne – Teifi, Teifi, des wird heute was. Auf bockharten, zerfahrenen Untergrund ging es runter in Richtung Arzler Scharte von dort hochquerend, nordseitig der Rumerspitze nach Osten weiter. Eine Gratismassage vom allerfeinsten, Bandscheiben-Lockerungs-Therapie inbegriffen. Grausig zum Fahren.

Eigentlich wollten wir das Projekt Stempeljochspitze schon fast abbrechen, abfahren und ein 2. Frühstück nehmen. Nix da! Wenn wir schon mal da hinten drinnen sind, schauen wir zumindest rüber bis zum Stempeljoch. Abgesehen davon, hätte auch die Arzler Scharte bei diesen Bedingungen alles andere als Spaß gemacht. Und wir hofften immer noch auf ein Durchdringen der Sonne.

Stempeljoch

Also Fell wieder rauf und rüber zum Stempeljoch. Ein bisschen heller wurde es und ein bisschen weichte der Schnee auf. Von guten Bedingungen allerdings meilenweit entfernt. Und nun? Stempeljochspitze? Ja oder Nein? Demokratisch abgestimmt – ein Versuch ist es wert. Während alle anderen vom Stempeljoch ins Halltal abfuhren, ging es für uns hinauf zur Stempeljochspitze. Und dieses Mal hat auch unser einer die Harscheisen aus dem Rucksack geholt.

Stempeljochspitze

Denn im Anstieg in der steile Flanke hinauf zur Stempeljochspitze wäre auszurutschen alles andere als optimal. Hart, härter – da muss jede Spitzkehre sitzen. Man will weder im Halltal enden, noch bei der Pfeishütte. Puh – volle Konzentration bis hinauf zum Gugelhupf. So bezeichnen wir die meist große Wechte und die Schlüsselstelle vor dem Grat zum Kreuz. Nachdem ich eigentlich immer die ultraleichten Steigeisen im Rucksack dabei habe, schnallte ich mir diese vor dem „Gugelhupf“ an und stapfte bequem über den Schneegupf rüber und problemlos über den Grat zum Gipfel. Die Domo hatte freilich keine „Eiselen“ dabei – aber nachdem die ja ohnehin schmerzbefreit ist, absolvierte sie auch den Rest mit Skiern bis zum Gipfelkreuz der Stempeljochspitze.

Abfahrt

Alles gesehen – ein paar Fotos, ein Rundblick ins Karwendel und dann ab in die Abfahrt. Fonsi, Domo und ich cruisten über den steilen Südhang der Stempeljochspitze retour bis ins Kar und von dort mit nochmaligem Auffellen zurück zur Arzler Scharte. Die Abfahrt von der Stempeljochspitze war zwar weit glatter, dafür aber auch hart. Nix von der sonst so lässigen Firnabfahrt. Auf glattem Untergrund lässt es sich zumindest wenigsten recht gut fahren. Im Vergleich zur Abfahrt von der Mandelscharte ein echter Genuss. Von Firn waren wir allerdings meilenweit entfernt.

Arzler Scharte

So, jetzt noch über die Arzler Scharte runter. Hart, bockig – aber eigentlich recht glatt und homogen. Je weiter wir nach unten kamen, umso weicher wurde es. Etwa 200 Höhenmeter waren ober der Temperatur dann gut zum fahren. Bis dann die Lawinenknollen kamen, die in der Arzler Scharte liegen. Diese waren allerdings wieder sehr mühsam. Drüber murxen war das Motto. Irgendwann ist aber Schluss. Ski ausziehen und es ging per pedes weiter. Gut 20 Minuten mit Skiern am Rucksack über Geröll bis auf den Weg, der zur Rumer Alm führt. Von dort zu Fuß, vorbei an der Arzler Alm, bis zur Hungerburg.

Tragezeit insgesamt gestern: gut 1 Stunde. So mancher Wanderer und Biker schaute uns doch ziemlich verdutzt an, als wir mit Skiern daher kamen. So etwas mag ich besonders gerne! Diese Gesichtszüge – herrlich.

Fazit: Runde absolviert – Bedingungen (ohne Sonne) leider bescheiden. Und Skitragen muss man auch mögen. Vom Stempeljoch geht’s noch direkt weg runter ins Halltal. Lt. Berichten beträgt die Tragepassage dort etwa 20 bis 25 Minuten. Morgen bzw. heute Nacht soll ja ein bisschen Neuschnee kommen. Ich hoffe, dass sich die Wetterfrösche nicht wieder irren und es morgen einen wolkenlosen Himmel mit plus 15 Grad gibt. Die prognostizierten Neuschneemengen haben sich bereits deutlich reduziert. Aber Niederschlag ist dringend notwendig. Auch für Mutter Natur. (flex, fonsi, domo, 3.3.21)

Ergänzung von Schuaster und Franzeler:

Vom „Rest“, der ins Halltal abfuhr, gibt es zu berichten, dass die Abfahrt ins Halltal vom Stempl für alles entschädigt hat! Nach einem Elektrolytnachschub auf St. Magdalena konnte man bis zur 2. Ladhütte fahren.

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Daten zur Tour:
Karwendeldurchquerung mit Stempeljochspitze
Datum: 3.3.3021
Ausgangspunkt: Hafelekar
Gehzeit: 5 – 6 Stunden
Höhenmeter: 1100Hm
Schwierigkeit: schwer
Kilometer vom Kar bis Hungerburg (über Arzler Scharte): 16 km
Sterne bei Begehung: 2
Steile Abfahrten und steile Anstiege, nötiges Frühjahrsmaterial sollte man im Gepäck haben.
Ausgesetzte Stellen: JA
Einkehrschwung: two beer @ home …

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